ein Gedicht über den Klimawandel
und verpasste Chancen

Als die Welt immer wärmer wurde
Feuer fing, austrocknete und drohte, auseinanderzubrechen
fingen sie langsam an zu rechnen,
dass sich ihr Zögern nicht mehr länger lohnte.

Sie redeten von Armutsscheren,
doch keiner zerschnitt die Ungerechtigkeit.
Sie betrauerten das Artensterben,
doch niemand war zum Handeln bereit.

Sie stellten Maßnahmen auf, die man einhalten müsse,
räumten Budgets ein, die man kleinhalten müsse,
zeigten Folgen auf, die man aushalten müsse,
stießen die Jugend weg, die sich raushalten müsse,
(und verlangten, dass man ihre Füße küsse.)

Sie forderten Pläne mit Deadlines,
die längst erfüllt sein sollten,
Sie horteten Ressourcen,
die sie nicht teilen wollten,
Sie bauten Bunker hinter Mauern,
die die von Draußen nicht überwinden konnten.

Sie schotteten sich ab in Selbstgerechtigkeit,
denn ihnen gings ja schließlich gut.
Sie scheuten keine noch so große Grausamkeit,
denn sie hatten ja selbst nie genug.

Als die Vorräte innen zur Neige gingen,
fing der Streit von vorne an.
Sie begannen, sich mit Steinen zu bekriegen,
weil es nur einen Gewinner geben kann.

So kam es zu Gewalt im Innern.
Sie töteten zum Fortbestehen.
Niemand konnte niemanden hindern.
War man hier erst einmal drinnen, durft’ man nicht lebendig gehen.

Die Andern draußen lebten friedlich,
teilten, was sie hatten, gern.
Doch Macht und Reichtum machen süchtig.
Die Erde – ein geteilter Stern.

“Es geht auch anders”, hieß es draußen.
“Schaut zu uns, wir leben’s vor.”
Die drinnen waren sehr beschäftigt.
Sie hatten wichtigeres im Ohr.

Doch draußen wurd es immer wärmer,
das Leben ging von schwer zu schwerer.
Ihre Opfer wurden größer,
ihre Hände immer leerer.

Wer jetzt noch draußen überlebte,
dem hätten Abzeichen gewinkt.
Es mangelte am Nötigsten –
an Abzeichen leider nur bedingt.

Jetzt ist noch Zeit zu handeln.
Nicht mit Aktien – mit Aktionen.
Kümmert euch um diese Welt!
Ihr werdet sehen, es wird sich lohnen.

/ Sep 2020, taire